LOSE BLÄTTER in windigen Zeiten:

                Korrupt - destruktiv - unaktuell: Das führende Wertpapier jetzt auch  im Weltnetz!

 

 

"Lose Blätter in windigen Zeiten" hieß eine kleine poetisch-satirische, mit einfachsten Mitteln hergestellte Zeitung, die ich in meiner Zeit als Straßenmusikant in den Jahren vor und nach dem Fall der Berliner Mauer vertrieb. Wenn ich diese Ausgaben heute durchblättere, staune ich, wie naiv ich damals war: Der Westen galt mir als der moralischere, freiere Teil der Welt (letzteres war er sicher, ersteres nie) und ich konnte arglos über Dinge schreiben, die heute unter der Fuchtel der politischen Korrektheit stehen. Für die später geborenen Landsleute ist wohl kaum noch nachvollziehbar, wie sehr sich das innenpolitische Klima seither geändert hat: Wenn das Wort vom Klimawandel eine Berechtigung hat, dann hier! Keinesfalls möchte ich den Mauerfall missen, er war einer der glücklichsten Tage meines Lebens! Aber solange Deutschland durch die Teilung neutralisiert war, bestand für die Schatten kein Anlaß, es in seiner Substanz anzugreifen. Wegen der kleinen Wiedervereinigung fühlen sie sich bemüßigt, Deutschland durch Auflösung zu neutralisieren - und das geht an die Substanz! Seit der Westen sich nicht mehr vom östlichen Gegenbild absetzen muß, wird nicht mehr die Meinungsfreiheit geschützt, sondern die herrschende Meinung, die nach Marx stets die Meinung der Herrschenden ist. Aber lassen wir uns davon die Laune vermiesen? Bestimmt nicht! Nur gewarnt sei, wer auf "Freideutsch" und folgende Seiten klickt. Er möge sich nicht aufführen, wie jener Gendarm, der um 1900 an einem See ein nackt badendes Paar entdeckte. Im Polizeibericht hieß es später: "Er schlich sich hinzu, nahm Anstoß und erstattete Anzeige".